Umdenken in der Europäischen Union, Nachhaltigkeit als Top Thema

Nachhaltigkeit – beinahe an jedem Tag wird man mittlerweile in den Nachrichten, in Dokumentationen oder auch beim Arbeiten oder Einkaufen mit diesem Begriff konfrontiert. Wie aber definiert sich dieses Wort eigentlich? Was sind die Unterschiede zwischen Produkten, die dieses Siegel tragen und solchen, die es nicht aufweisen können? Auf politischer Ebene, vor allem aber im Handel wird über Nachhaltigkeit viel diskutiert; nicht immer funktioniert aber die Umsetzung einwandfrei. Dennoch kann mit Fug und Recht behauptet werden, dass ein Umdenken, vor allem in der Europäischen Union, aber auch in weiten Teilen der übrigen Welt, stattgefunden hat. Abseits der großen politischen Weltbühne bedeutet dieses Umdenken, dass beispielsweise Konsumenten eher bestes Olivenöl aus nachhaltiger Herstellung kaufen, als irgendein billiges Produkt, das dieses Gütesiegel nicht trägt.

Der Begriff Nachhaltigkeit

Im Duden findet man zur Begriffserklärung die Erläuterung, dass etwas nachhaltig ist, wenn es eine längere Zeit andauernde Wirkung erzielen kann. In der Forstwirtschaft wird der Begriff eingesetzt, wenn es um die Regelung geht, dass nicht mehr Holz, gleich welcher Art, gefällt werden darf, als von selbst nachwachsen kann. Der Haushalt der Natur soll geschont und geschützt werden; jedes Verhalten des Menschen gegen dieses Prinzip hat weitreichende Folgen für die Natur und damit auch für alle folgenden Generationen.

Nur ein kleines Beispiel dafür, wie Handel und Entwicklung in den nächsten Jahren verändert werden; die Anfänge dafür sind aber bereits gemacht: Für viele Holz-, aber auch manche Kunststoffprodukte wird nach Alternativen gesucht. Bäume brauchen sehr lange, bis sie nachwachsen; Kunststoffe sind ein Entsorgungsproblem mit definitiv schlechtem Umwelteinfluss. Als Alternative, die alle Prinzipien der Nachhaltigkeit erfüllt, zählt beispielsweise Bambus, der sehr schnell nachwächst und für manche Erzeugnisse die gleichen Materialeigenschaften zeigt. Verbraucher, die Umweltschutz und Nachhaltigkeit bewusst leben, entscheiden sich deswegen für Bambus-Produkte und lassen damit den Bedarf an nicht-nachhaltigen Rohstoffen sinken. Die Folge: Es wird weniger abgeholzt, die Natur kommt zur Ruhe, das Gleichgewicht stellt sich vielleicht sogar wieder her – und die folgenden Generationen sind nicht in dem Maße den Folgen unseres Raubbaus mit der Natur ausgesetzt. Nach diesem forstwirtschaftlichen Prinzip der Nachhaltigkeit kann dieses Vorgehen auf jegliche Herstellung von Produkten übertragen werden, bei dem statt seltener, langsam wachsender Rohstoffe solche Alternativen mit schnellerem Regenerationspotential gefunden werden können.

Erweiterte Bedeutung von einem nachhaltigen Lebenskonzept

Über die genannten Erläuterungen hinaus soll das Umdenken auch in weiteren Lebensbereichen forciert werden. So lässt sich der Begriff der Nachhaltigkeit auch beim Einkaufen anwenden: Schuhe, billig und modern können für kleines Geld gekauft werden. Die Folge von Billigprodukten ist aber eine viel schnellere Abnutzung, die eher notwendige Entsorgung und der bald anstehende Neukauf. Die hochwertigen Schuhe, aus nachhaltigen Materialien und möglichst unter Fair-Trade Bedingungen hergestellt, halten länger (sind meist auch deutlich gesünder für die Füße und den Bewegungsapparat) und müssen deswegen nicht so schnell entsorgt und nachgekauft werden. Sowohl bei der Produktauswahl auf Nachhaltigkeit zu achten, wie auch die Dauer der Nutzungsmöglichkeit eines Konsumartikels zu berücksichtigen, wird immer einfacher, weil der Handel einfach die veränderte Situation erkannt hat, und sich in Mode- und Geschmacksfragen den neuen Gegebenheiten anpasst. Das ist nur ein Ziel der Maßnahmen, die die EU Nachhaltigkeitspolitik im Auge hat. Nach diesen Denkprinzipien sollte alles eingekauft, gebaut, repariert, angebaut und hergestellt werden, wo es die Möglichkeit gibt.

Nachhaltig ist gleich enkelgerecht

Nicht selten findet man als gleichbedeutendes Wort für etwas „nachhaltiges“ den Begriff „enkelgerecht“. Mit dieser noch relativ neuen Wortschöpfung wird vereinfacht erklärt, auf was die Nachhaltigkeitspolitik der Europäischen Union abzielt: Unsere Enkel und Urenkel sollen die Erde und die Natur samt ihren Ressourcen noch in der Form zur Verfügung haben, wie wir es heute tun. Das bedeutet, der teilweise horrende Raubbau mit der Natur und ihren Geschenken an Rohstoffen, ihrer Artenvielfalt und Qualität muss aufhören. Nicht nach den Möglichkeiten von heute soll gelebt werden, sondern nach den Bedürfnissen der künftig lebenden Menschen. Das Ausrotten oder unverhältnismäßige Dezimieren einer Pflanzenart hat eventuell Folgen für das Tierreich; dies wiederum kann den Menschen in seinem Leben beeinträchtigen. Das Umdenken hat begonnen, muss aber auf kleinster wie höchst politischer Ebene weiter vorangetrieben werden.